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Und immer wieder klimpert das Klavier...
Rouben Mamoulians Version des Robert Louis Stevenson Klassikers wird wohl ewig weiterleben und diskutiert werden. In ferner Zukunft noch, wird man über die technischen Errungenschaften des Films sprechen, die selbst in Zeiten von CGI noch passabel wirken. Das Make-Up, der Schnitt und eine beeindruckende Bandbreite an Kameratricks machen Dr. Jekyll and Mr. Hyde" zu einem bekömmlichen Fest für die Augen.
Frederic March ist ebenfalls recht gut. Die Tendenz der frühen 30er Jahre zum overacting" und die letzten Überbleibsel des Schauspielstils der Stummfilmzeit, passen hier recht gut ins Gefüge, vor allem wenn der bestialische Mr. Hyde am Zug ist. Auf jeden Fall ist es beeindruckend wie March diese völlig konträren Charaktere beide so nahtlos ineinander übergehen lässt und einem wirklich das Gefühl vermittelt hier wären zwei verschiedene Schauspieler am Werk.
Hyde an sich, ist rein visuell nicht ganz so toll gelungen wie ich finde. Er sieht wenig furchteinflößend aus, eher ziemlich beschränkt und dämlich - wie eine Mischung aus einer Ratte, einem Hund und einem Menschen. Die Niedertracht ist im zwar ins Gesicht geschrieben, die Brutalität mit der er ans Werke geht, scheint aber nie aus dem Inneren zu kommen, sondern wirkt etwas aufgesetzt.
Einmal abgesehen von der aberwitzig unwissenschaftlichen Wissenschaft hinter dem Ganzen, fand ich den Handlungsbogen nicht wirklich packend oder sehr durchdacht. Weder verstehe ich warum ein General seine Tochter nicht an einen berühmten und erfolgreichen Arzt verheiraten will, noch die Beweggründe die Jekyll dazu bringen immer wieder seinen Trank einzunehmen. Warum er sich schließlich von allein und gegen seinen Willen in Hyde verwandelt bleibt auch unerklärt - da müsste man wohl das Buch lesen.
Durch die mangelhafte Erzählweise war es auch schwer dem Film genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Diese hätte es gebraucht um die Vielzahl an Symbolen zu entschlüsseln, die religiösen Themen zu entdecken die immer wieder im Subtext transportiert werden und zu verstehen, warum in allen wichtigen Szenen Klaviere involviert sind.
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Michael Hanekes Ruhm begründete sich auf der harschen Medienkritik, die seinen Filmen bis Anfang der 2000er anheim ist. Beginnend mit Der Siebente Kontinent" und seinen Höhepunkt in Funny Games" findet, thematisierte Haneke immer wieder den Einfluss der Über-Medialisierung auf die Gesellschaft und die Perversion der Medienberichterstattung, die immer wieder zum Kollaps gewöhnlicher Familien führt.
Fragmentarisierung ist eines der Themen, dass in solcherlei Diskursen immer wieder auftaucht und in 71 Fragmente" nimmt sich Haneke der Fragmentform gleich in zweierlei Hinsicht an. Einerseits zerstückelt er seinen Film selbst in 71 Fragmente, die durch abrupte Cuts unterbrochen werden und immer wieder ins Nirgendwo führen, andererseits arbeitet er ebenjene Fragmentierung auf, die seine Protagonisten in den Wahnsinn treibt.
Besonders gelungen ist meiner Meinung nach der Einbau von echten Fernsehnachrichten, die das Geschehen in gewisser Weise kommentieren und Hanekes Pessimismus unterstreichen (es geht in ihnen praktisch immer um Krieg und Genozid). Neben diesen Nachrichtenstücken, erzählt der Film parallel mehrere Handlungsstränge und genau an diesem Punkt muss ich Kritik üben. Ob bewusst oder unbewusst, durch die ohnehin fragmentarisierte Machart des Films war es recht schwer den verschiedenen Charakteren zu folgen, ihre Motive zu erkennen oder aus ihren Handlungen schlüssig zu werden. Haneke verlangt dem Publikum immer einiges ab, das ist nichts Neues, aber wie weit sollte man Medienkritik auf die Spitze treiben? So weit, dass sie dann erst recht niemand versteht?
Eine Krux und in gewisser Weise paradox. Genial setzt Haneke seinen Film auf genau die Weise um, die er so hart kritisiert, was aber wiederum dazu führt, dass man kaum aufnahmefähig dafür ist.
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Ich wiederhole mich nur ungern. Ok, das ist gelogen, aber dennoch: die Narrative chinesischer Filme unterscheiden sich radikal von dem, was im westlichen Kino Usus ist.
Mein erster Abstecher in das vielversprechende Oeuvre des Wong Kar-Wai lässt mich bereits sein großes Genie erkennen. In the Mood for Love" ist Atmosphäre, zwei Charaktere, kaum Plot, ein wenig Nudelessen und ein toller Soundtrack. Aber der Reihe nach.
Um die visuelle Erfahrung, die In the Mood for Love" ist zu beschreiben, fehlen mir die Worte. Nur so viel: die Komposition jedes einzelnen Frames ist perfekt. Farben, Arrangements, Räume, alles einfach nur genial. Hinzu kommt noch der Charme des mittelständischen 60er Jahre Hongkongs. Chris Doyles geniale Kameraführung erweckt diese Bilder aber erst zum Leben. Erkleckliche Kamerafahrten und beeindruckender Einsatz von Schärfe und Fokus geben dem Bild irrsinnige Tiefe und Potenz.
Zum Großteil funktioniert In the Mood for Love" über Bilder. Die Dialoge der Charaktere sind zwar erhellend, sind aber eigentlich vernachlässigbar. Stumm schalten sollte man aber trotzdem nicht, sonst verpasse man den unfassbar stimmigen Soundtrack, der die Bilder begleitet und zu einem guten Teil die Atmosphäre mitbestimmt. Es ist, so habe ich gelesen, chinesische Opernmusik, die Wong im Hintergrund das Drama der Protagonisten hinterlegen lässt, und, mein Gott, ist sie passend. Rhythmisch treibt sie die Bilder und die Handlung voran.
In the Mood for Love" ist Schwüle. Fast körperlich fühlt man, wie die Subtropen das Bild ausfüllen, technisch ist der Film auf einer Ebene mit Kubricks 2001: A Space Odyssey".
Genial weiters auch Wongs Entscheidung, die Ehepartner der beiden Protagonisten nie zu zeigen. Sie verstärkt das Gefühl der Trennung und Distanz zwischen den jeweiligen Ehepaaren während es die Verbindung von Chow und Su noch weiter betont.
Die schauspielerischen Leistungen passen sich dem hohen Niveau des restlichen Films ebenfalls an. Maggie Cheung ist als Erste unter Gleichen hervorzuheben, sie spielt zugleich zurückhaltend aber voll brodelnder Energie.
Die Themen die Wong behandelt sind vielfältig. Einerseits die Gesellschaft Hongkongs, und der Druck den sie auf ein einfaches Liebespaar ausübt, dass schließlich daran zerbricht. Andererseits, die Wirren des Schicksals, die zuerst möglich machen, dass Chow und Su ihren Ehepartnern auf die Schliche kommen, sich später überhaupt kennenlernen und zuletzt verhindern, dass sie ihr Liebesglück finden. Versteckt dahinter behandelt der Film auch die Rolle der Frau, das Leben des chinesischen Mittelstands in den 60er Jahren, das Hongkong der 60er Jahre an sich und, ganz wichtig, Nudelsuppe.
Unerwartet für mich auch, die doch ganz gefällige Erzählgeschwindigkeit des Films. Und das obwohl die ganze Sache doch eher eine etwas meditative Angelegenheit ist. Aber genug gesagt. In the Mood for Love" ist ein einzigartiges Filmerlebnis. Punkt.
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Erst kürzlich habe ich die alte Formel nur ein schlechtes Buch macht einen guten Film" gelesen. John le Carré schreibt spannende Bücher, Spionagethriller voller britischer Lebemänner und Agenten, und als ehemaliger MI6 Mitarbeiter, sind seine Romane näher an realen Begebenheiten angelehnt, als z.B. Ian Flemings Bond-Reihe.
Nichtsdestotrotz, schreibt er Pulp. Also literarisch minderwertiges, wenn man es in den Worten eines Kultursnobs ausdrücken mag. Dies, und die exotischen Schauplätze an denen seine Werke spielen, machen wohl die Beliebtheit seiner Romane bei Filmproduzenten aus.
The Tailor of Panama", anders als z.B. Tinker Tailor Soldier Spy" schien mir jedoch handlungsmäßig, zu sehr aus der Luft gegriffen. Überhaupt sind le Carrés frühere Werke bodenständiger und beschäftigen sich mehr mit der bürokratischen Ader des Spionagewesens, wohingegen seine späteren Werke (The Tailor of Panama" wie auch The Constant Gardener")globalpolitische Themen diskutieren, und den Bodenkontakt mehr und mehr verlieren.
Geoffrey Rush ist der namensgebende (Promi-)Schneider Harry Pendel, ein Ex-Sträfling, der nach Panama geflüchtet ist, eine neue Existenz aufgebaut hat, und nun mit neuen (Geld-)Sorgen konfrontiert ist. In diese Situation tritt Andy Osnard (Pierce Brosnan), ein strafversetzter MI6 Agent und Frauenheld, der nun, in seinen Vierzigern, aussteigen will.
Andy trifft Harry, versucht über ihn Informationen zu bekommen, die er mit Geld lukriert. Harry erfindet daraufhin ganz einfach die Informationen, die Andy gerne hören will und bezahlt seine Schulden, während Andy diese Informationen dazu nutzt seinen Exitplan zu erstellen.
Brosnan ist wie gemacht für diese Rolle, die er noch zu seiner Bondzeit bekleidete, und die er besser ausfüllt, als die des actionlastigeren Bonds. Rush spielt (wieder einmal) einen ziemlichen Vollbimbo, der tatsächlich versucht ein ganzes Land und mehrere Regierungen gegeneinander auszuspielen, nur um ein paar zehntausend Dollar an Schulden zu begleichen.
Der Film lebt vom Zusammenspiel der beiden. Und von seinem tollen Schauplatz. Panama - das Casablanca nur ohne Helden". Nach dem Rückzug der Amerikaner entstand hier ein Vakuum, und mehr noch als das persönliche Schicksal der Protagonisten thematisiert Tailor" die Machtverteilung im Postkolonialismus.
Verworren genug um spannende Unterhaltung zu liefern, aber noch verständlich genug, um als leichte Nachmittagskost an einem schwülen Sonntag zu dienen.
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Mittlerweile hat sich wohl herauskristallisiert, dass Robert Altman nie zu meinen Lieblingsregisseuren zählen wird. Nichtsdestotrotz sind noch einige Abstecher in sein 70er Jahre Werk vorgesehen. Ein erster solcher war sein Durchbruchshit MASH". Indirekt als Kritik am Vietnamkrieg gedacht, durchleuchtet er das Leben einiger Chirurgen in einem amerikanischen Feldlazarett im Koreakrieg. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass sich solche Szenen nie in irgendeinem Lazarett abgespielt haben, aber der Persiflage ist ja bekanntlich viel erlaubt, und nicht selten muss man lachen oder zumindest schmunzeln, wenn Altman wieder einmal ein Detail im Hintergrund genau richtig positioniert um einen urkomischen Effekt in eine normale Szene zu bringen. Auch die Dialoge sind großartig und der Slapstick funktioniert großteils (wenn er auch manchmal etwas brachial herüberkommt).
Natürlich steht und fällt dieser Film mit seinen großartigen Hauptdarstellern. Donald Sutherland ist der geniale wie vulgäre Hawkeye" Pierce, aber auch seine Zeltgenossen Elliott Gould und Tom Skerritt stehen ihm nur um wenig nach. Ein vertrottelter Campleiter, wie wir ihn aus z.B. Hogan's Heroes" kennen, darf natürlich auch nicht fehlen. In diesem Fall ist es Roger Bowen, der den Hobbyangler und etwas weltfremden Lt. Col. Blake verkörpert.
Technisch gesehen, ist MASH" oft bewusst falsch". Die Kameraführung ist oft idiosynkratrisch und die Dialoge überlappen sich häufig, sodass kaum mehr etwas zu verstehen ist. Dies hat aber zur Folge, dass sich gewisse Situationen als lächerlich entpuppen und dienen wohl auch als kritischer Fingerzeig auf eine übersättigte Gesellschaft und die Überforderung der menschlichen Wahrnehmung in einer von Kriegsberichterstattung überfluteten Gesellschaft.
Wie auch immer, MASH" ist eine gut gelungene, satirisch bis zynische, Momentaufnahme Amerikas der späten 60er, verpackt in eine gerade erst vergangene Epoche. Altman trifft den schmalen Grat zwischen Drama und Komödie recht gut, setzt aber das ein oder andere Mal, zu sehr auf Brachialhumor.
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Die europäische Animationsszene beweist einmal mehr wie sehr sie der amerikanischen überlegen ist. Technischer Firlefanz Hin oder Her, das amerikanische Popcornspektakel mit seinen farblosen Helden und immer gleichen Plots findet seinen Meister in Le Chat du Rabbin".
Ich denke, Le Chat du Rabbin" ist auch ein guter Kinderfilm, auch wenn gemordet und philosophiert wird, die rasanten Actionszenen eines Dreamworksfilms sind da auch nicht nervenschonender. Vor allem aber ist Le Chat" weitaus bekömmlicher für alle erwachsenen Kinogänger.
Ein kurzer Umriss, um was es geht. Eine Katze im Algier der 20er Jahre frisst einen Papagei und kann daraufhin sprechen. Ihr Besitzer ist Rabbi der kleinen jüdischen Gemeinde in Algier und bekommt eine Lieferung an Gebetsbüchern der verfolgten Ashkenazi aus Russland. In ihr befindet sich auch ein russisch-jüdischer Maler. Mit Hilfe eines anderen in Algier ansässigen Russen, eines zaristischen Aristokraten im Exil, machen sie sich auf eine Expedition zum sagenumwobenen Neuen Jerusalem" irgendwo in der Wüste Äthiopiens, wo alle Völker in Einklang Leben, ohne Rassismus und Diskriminierung.
In einem alten Halbkettenfahrzeug des reichen Russen, gabeln sie zunächst noch den Imam-Cousin des Rabbis und dessen Esel auf und machen sich auf den Weg. Dieser Weg bietet viele Abenteuer und gefährliche Begegnungen (u.a. mit mordslustigen Tuareg) und eine geniale Cameo von Tim und Struppi.
Eine Ansammlung so vieler Konfessionen kann aber auch nur bedeuten, dass über Gott und die Welt philosophiert wird - und das tun sie - ausgiebig. Dass es nie langweilig wird, verdankt der Film wohl seinen wohlgezeichneten Charakteren. Viele Animationsfilme würden den Fehler begehen sich schon nach kurzer Zeit ins Abenteuer zu stürzen, wohingegen Le Chat" die erste Hälfte des Films in Algier verbringt und dort seine Charaktere entwickelt. Dabei lernen wir auch die Tochter des Rabbis und seinen Cousin Malka kennen, die leider später total irrelevant werden. Der Film schreit geradezu nach noch mehr Abenteuern und einer Fortsetzung (man darf befürchten, dass es nie soweit kommen wird).
Zuletzt, zum Animationsstil. Soweit ich das beurteilen kann, war der Film handgezeichnet. Nicht im Stile Disneys jedoch, sondern etwas eigenwillig, im Stile von Sfars Graphic Novels. Wie auch immer, eine religions- und gesellschaftskritische Satire, die mit einer Katze als Katalysator arbeitet, der fast alles erlaubt ist zu sagen kann auch ohne atemberaubende Animation auskommen.
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Das Burg Kino in Wien lässt drei Mal wöchentlich einen der großartigsten Filme über Wien wieder hochleben. Ich war dort und hab mir angesehen, wie sich The Third Man" mehr als sechzig Jahre nach seiner Veröffentlichung auf der großen Leinwand macht.
Der Kinosaal verdunkelt sich, erste Schemen zeichnen sich auf der Leinwand ab und Anton Karas' geniale Zithermusik setzt ein. Ich bin daheim! Der Soundtrack ruft meist gemischte Reaktionen hervor, ich bin jedoch ein die-hard" Fan von ihm. Abgesehen davon, dass es eine erfrischende Abwechslung zu Klaviergeklimper darstellt, passt es auch atmosphärisch bestechend gut.
Atmosphäre, ein gutes Stichwort. Zwar kein klassischer Film Noir, überzeugt The Third Man" mit allen Elementen, die einen guten Noir gemeinhin ausmachen. Die bestbeleuchtetsten Szenen der Filmgeschichte findet man in den Kanälen Wiens und die psychologische Motivation von Holly Martins, der auf der Suche nach seinem Freund, ein dunkles Geheimnis aufwühlt, und schließlich erkennen muss, dass sein Jugendfreund Harry Lime zum Untergrundbaron geworden ist, wird perfekt aufbereitet.
Immer wieder findet The Third Man" auch Lustiges in diesem todernsten Stoff. Vor allem wenn man Deutsch versteht sind manche Passagen zum Totlachen. Die vielen bekannten Namen aus der österreichischen Schauspielszene (Paul Hörbiger, Hedwig Bleibtreu) sind da nur das Tüpfelchen auf dem I. Das ist es auch, was den Film in gewisser Weise auszeichnet. Dieser steter Wechsel zwischen Familiarität mit der Stadt, ihren Bewohnern und ihrem Flair und die Arbeit internationaler Stars wie Joseph Cotten, Orson Welles und Carol Reed.
Fazit: Man kann froh sein, dass es noch eine Möglichkeit für alle Cinephilen gibt, sich diesen Film in einem echten Kino, mit echter Leinwand und echtem Sound zu Gemüte zu führen.
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Eine Szene aus L'Eclisse", die mir noch länger in Erinnerung bleiben wird ist folgende: Das Geschäft der Börse Rom wird unterbrochen, um eine Schweigeminute für einen verstorbenen Kollegen abzuhalten. Urplötzlich wird es also totenstill in dieser zuvor hektischen und lauten Umgebung. Wie die Sekunden ticken, werden die Händler immer nervöser und angespannter und immer mehr Telefonklingeln unterbricht die Stille. Schließlich erklärt der Börsenvorsteher die Schweigeminute für beendet und die Hölle bricht aus. Dieser Moment im Film, zeugt von Antonionis satirischen Qualitäten, die immer wieder durchstechen, gerade dann, wenn auch Sozialkritik ins Spiel kommt
Durchwegs, bietet er beeindruckende Bilder, großartige Kamerafahrten und tracking shots und sein Stil erinnert teilweise an den Neo-Realismus seiner italienischen Landsmänner der 40er und 50er Jahre (die Tristesse der weniger touristenfrequentierten Viertel Roms vor allem).
Er unterscheidet sich jedoch stark in Bezug auf Thematik, Milieu und Charaktere vom Neo-Realismus. Antonionis Augenmerk liegt auf der Oberschicht (oder zumindest der oberen Mittelschicht) - einem hyperaktiven Börsenmakler (Alain Delon) und einer kontemplativen Übersetzerin (Monica Vitti). Die beiden haben kaum etwas gemeinsam, verlieben sich aber dennoch.
Diese Liebe ist jedoch weit entfernt von Hollywoodfantasien jeglicher Art, dazu ist Vittis Vittoria viel zu selbstbewusst und selbstbestimmt. Dies ist keine romantische Liebe traditioneller Bauart, sondern ein ständiges Umrunden, Belauern und aneinander Vorbeireden. Folglich findet diese Liebe auch kein Happy-End (so viel sei verraten), und L'Eclisse" endet hingegen mit leeren Orten, in denen die Liebenden nie aufgetaucht sind. Ein passender poetischer Abschluss für einen Film, der mehr ist als bloße Handlung.
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Dank meinem Vater, komme ich recht häufig mit halbvergessenen Filmen der 80er Jahre in Berührung. Komödien wie The Money Pit", Krimis wie The Big Easy" oder auch Frantic", ein eher mittelmäßiges Werk im großen Oeuvre des französisch-polnischen Regisseurs Roman Polanski.
Die Opening Credits lesen sich beeindruckend - Harrison Ford in der Titelrolle, ein Score von Ennio Morricone (mit ein wenig zu viel Synthesizern und Pop-Songs meines Erachtens) und Roman Polanski als Produzent, Autor und Regisseur.
Ford spielt einen Chirurgen, der mit seiner Frau in Paris einen Kongress besucht. Um sich noch einen schönen Tag zu machen, reisen sie einen Tag früher an, aber bereits nach kurzem Aufenthalt, verschwindet die Frau aus dem Hotelzimmer und bleibt wie vom Erdboden verschluckt.
In bester Harrison Ford Manier, und als Vorbote für The Fugitive" eine halbe Dekade später, begibt sich Ford auf die Suche durch Paris, stolpert durch Nachtklubs, trifft auf arabische Terroristen, Drogendealer und andere Seltsamkeiten.
Polanski zielt dabei wohl auf den Hitchcock-Effekt, indem er den unbedarften Jedermann" zum großen Suchenden macht, endet den Film aber mit einem Finale, das mehr als zu wünschen übrig lässt. Hätte Hitchcock seiner Zeit, solch plumpe Auflösungen verwendet, wäre er nie zum Master of Suspense geworden.
Hier sieht man ganz deutlich was einen guten Film bzw. einen guten Regisseur von einem Meisterwerk unterscheidet.
Abgesehen vom enttäuschenden Ende, das dem Spannungsaufbau nicht gerecht wird, ist auch der ganze Stil des Films recht gewöhnungsbedürftig. Über weite Strecken sehr komplex (recht starke französische Akzente, die wichtige Plot Points erklären sind da auch eher hinderlich), typisch 80er Jahre psychedelisch und teilweise von ähnlich undurchschaubarer Symbolik geprägt wie das verhasste The Ninth Gate".
Der verwirrte Mann im Großstadtdschungel, mit guten Ansätzen, aber schlussendlich nicht wirklich überzeugend. Ein Nebenwerk von Polanski, spannend und unterhaltsam, aber kein Muss für Nicht-Polanski-Freaks.
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Mein Wissen über japanisches Kino der 50er und 60er beschränkte sich bis jetzt fast ausschließlich auf die Werke Akira Kurosawas, von denen ich auch nicht unbedingt viele gesehen habe. Was mich an Kurosawas Oeuvre immer störte, war der Schauspielstil der anscheinend den Japanern innert war.
Harakiri" überzeugte mich des Gegenteils! Hier zeigt sich, dass den Japanern der 60er naturalistisches Schauspiel keineswegs fremd war. Tatsuya Nakadai heißt der Mann, der als Ronin an den Hof des Iyi-Clans kommt um dort feierlich Selbstmord zu begehen.
Ich erwartete ein Samuraispektakel und bekam ein Drama über die Abgründe der japanischen Moralvorstellungen, eine Geschichtsstunde und herzzerreißende Momente im Leben eines Mannes, der alles verloren hat.
Aber lassen wir uns zuerst noch einmal auf der Zunge zergehen, wie dieser Film anfängt: Ein arbeitsloser Samurai sucht einen Platz um ehrenvoll Selbstmord zu begehen. In unseren Breiten würde solch eine Prämisse für eine Komödie taugen. In Japan ist sie der Nährboden für einen extrem kraftvollen Film über Ehre, Tugend, Stolz und Familie.
Technisch ist Kobayashi auf einer Ebene mit Kurosawa, wobei man zugeben muss, dass ihm der große Meister doch noch einiges voraus hat. Der Inhalt von Harakiri" jedoch, ist besser und emotional mitreißender, als alles was ich bisher von Kurosawa zu sehen bekommen habe.
Eine Gruppe Männer sitzen und reden, und schätzungsweise 70% des Films stellen Flashbacks dar, und doch bricht der Film immer wieder in ansatzlose Gewaltorgien aus. Bestialisch, martialisch wie sich der Chijiwa mit einem Bambusmesser entleibt oder schließlich Hanshiro im großen Finale durch die Klansburg gehetzt wird. Dieses große Finale war es vielleicht auch, die dem Film etwas sein Pathos nahm. Schlussendlich bricht dann doch das Samuraispektakel los, das ich schon die ganze Zeit erwartet hatte, und es befriedigte mich dann doch nicht. Ein stilles Ende, für diesen stillen Film, hätte wohl besser gepasst.
Aber ich will mich nicht unnötig beklagen. Wie oft sieht man schon einen so exzellent gearbeiteten sowie emotional niederschmetternden Film?
Dies ist die ultimative Aufdeckung von Heuchlertum in der japanischen Gesellschaft - don't miss it!
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