RainerKienböck's Rating of L'eau froide (Cold Water)

Rainer's Review of L'eau froide (Cold Water)

4 years ago via Rotten Tomatoes
L'eau froide (Cold Water)

L'eau froide (Cold Water)(1994)

Assayas französische Filme sind persönlicher, politischer, liebevoller und enigmatischer. Das Schöne an Assayas als Filmemacher ist, dass eigentlich kein Film in seinem Oeuvre hervorsticht, bzw. mehr Beachtung bekommen hat als die anderen. Das ist wohl auch der Grund warum Assayas so heillos unterschätzt wird.

L'Eau Froide ist ein stark autobiographischer Bericht über zwei Jugendliche, Gilles und Christine, im Frankreich der 70er Jahre. Der Film ist eine Studie über Jugendkultur, Rebellion und anti-autoritäre Strömungen, und ihn zu beschreiben ist ein Ding der Unmöglichkeit. Es passiert nämlich so gut wie nichts.

Authentisch und minimalistisch präsentiert uns Assayas die Lebenswelt eines 16-jährigen Teenagers der nicht genau weiß wohin mit seiner Energie. Er hat genug Geld und Eltern, die sich um ihn kümmern (wollen), doch er will nur ausbrechen - wer Ahnung von Assayas' Lebensgeschichte hat, weiß welcher Part davon aus seinem Leben gegriffen ist.
Die weibliche Protagonistin Christine hingegen ist verwahrlost, und durch einen Sorgerechtsstreit von ihren Eltern entfremdet. Sie wird in eine Nervenanstalt eingeliefert, flieht jedoch prompt und schließt sich lieber einer orgiastischen Feier an (Punkmusik und Feuer stehen als Platzhalter für revolutionäre Gelüste der Jugendlichen).

Assayas hat ein Herz für anti-autoritäre Strömungen, und die Gestalten, die diese bevölkern. Es ergibt sich für mich in seinen Filmen immer eine eigene Spannung aus diesem linken Gedankengut, dem ich mich durchaus anfreunden kann, und dem anarchistischen Nihilismus, den seine Charaktere an den Tag legen.

Das Wort Authentizität ist ebenfalls schon gefallen, und hier will ich mich noch einmal einklinken. Einerseits erreicht Assayas diese Authentizität durch seinen Filmstil: die Verwendung von Laiendarstellern und viel handheld-Kamera (und schlechte Beleuchtung), andererseits durch lebensnahe Dialoge. Assayas kommt aus dem Drehbuchschreibermetier und das merkt man seinen Filmen stark an. Die Atmosphäre die er schafft, ist eine Atmosphäre der Nähe, wenn nicht sogar der Enge an manchen Stellen. Die Folge: wir leiden, wir lieben, wir fühlen mit den Charakteren - was gibt es besseres?

PS: Als companion piece" zu L'Eau Froide ist Après Mai des Regisseurs sehr zu empfehlen.