RainerKienböck's Rating of The Great Gatsby

Rainer's Review of The Great Gatsby

3 years ago via Rotten Tomatoes
The Great Gatsby

The Great Gatsby(2013)

Das Leben in den Roaring Twenties" war eine einzige große Party. Lasterhaft und noch unbefleckt von der großen Depression, die die Welt nach dem Black Friday heimsuchen sollte.

F. Scott Fitzgeralds The Great Gatsby" versucht uns nichts anderes zu vermitteln als genau das. Verantwortungslose, genusssüchtige reiche Snobs, die sich einen Sommer auf Long Island vergnügen - mit tragischem Ausgang.

Ich bin kein großer Fan des Buches und somit habe ich auch nicht die gleiche Aversion gegen Luhrmanns recht freie Umsetzung des Inhalts. Sein anachronistischer Stilmix und seine visuellen Extravaganzen begrüße ich, im Gegensatz zu den vielen Kritikern des Films. Ich muss sagen, ich bin ein Fan! Auch wenn ich für die Einwände durchaus Verständnis zeige.

Luhrmann hat meines Erachtens die Essenz des Buches ganz gut eingefangen. Eine GROSSE Party und viele schöne, absurd reiche, Menschen. Style over Substance in Reinkultur - das ist doch das Buch!

Fitzgerald wäre wohl begeistert von einer solchen Umsetzung. Sie entspricht wahrscheinlich genau dem, was er sich vorstellte, als er die Partyszenen beschrieb, einzig der Zeitgeist der 2010er wurde von Luhrmann injiziert.

Dabei zeigt sich, wie toll digitales Kino aussehen kann, und wie unverzichtbar Massenszenen und Choreographien selbst in Zeiten der CGI noch sind. Der Soundtrack, produziert von Jay-Z, mag befremdlich sein, für eine Adaption eines 20er Jahre Stoffes, aber zum Rest des Films passt er wie die Faust aufs Auge.

Pomp, Prunk, durch und durch Eye Candy", und nebenbei noch eine ganz passable Geschichte. Die Rahmenerzählung, in der sich Nick Carraway von seinen Erinnerungen freischreibt", war zwar etwas plump, und die Charaktere fand ich auch im Film nicht sehr sympathisch oder interessant (ein Gefühl, dass sich bereits bei der Lektüre eingestellt hatte) aber die Geschichte taugt allemal um zwei Stunden visuelles Spektakel am Leben zu erhalten.

Ein weiterer nicht zu verachtender Punkt, ist die maßgeschneiderte Rolle des Jay Gatsby für Leonardo DiCaprio. DiCaprio scheint mir wie gemacht für die Rolle, noch mehr als Robert Redford in der berühmten 1974er Version (die ich noch nicht gesehen habe).
Leo ist ein Meister des Mysteriösen. Des äußerlich souveränen Menschen, der jederzeit explodieren kann (man denke nur an die Cranberry-Saft-Barszene in The Departed").
Er nimmt die Leinwand für sich ein, wann immer er zu sehen ist, ohne jedoch seine Ko-Stars ungut zu überschatten. Tobey Maguire als leicht vertrottelter, leicht naiver Freund Gatsbys gelingt es formidabel nicht komplett unterzugehen, und mehr ist von ihm als Carraway ohnehin nicht zu erwarten. Mulligan, mit deren, üblicherweise, weinerlichen Charakteren ich schon öfters Probleme hatte ist passabel und Joel Edgerton ist perfekt gecastet und strahlt wie Gatsby eine gewisse Aggressivität aus. Seine Energie ist aber eher animalischer Natur, und nicht durch Charme und Charisma überdeckt wie bei Gatsby.
Ob die Umsetzung gelungen sein mag, oder nicht, ich finde man sollte den Film als Literaturverfilmung nicht zu ernst nehmen. Luhrmann hat eine detailgetreue Umsetzung des Quellenmaterials offensichtlich gar nicht intendiert, warum also unnötig Vergleiche ziehen.
Kritisieren darf man The Great Gatsby" für seine konsequente Fokussierung auf Style und Visuals und dem nur dürftigen Fortschreiten der Erzählung. Ich, wie gesagt, gebe mich mit diesem Spektakel für die Augen aber gerne zufrieden und ziehe ein wohlwollendes Resümee:
Die Trailer haben nicht gelogen. Dieser Film macht einfach Spaß. Eine The Great Gatsby" Verfilmung in 3D ist möglich und macht sogar mehr Sinn als erwartet.