RainerKienböck's Rating of Chicken with Plums

Rainer's Review of Chicken with Plums

4 years ago via Rotten Tomatoes
Chicken with Plums

Chicken with Plums(2012)

Marjane Satrapis Persepolis" von vor ein paar Jahren, steht für mich noch immer für die Übermacht der europäischen Animationsszene gegenüber der amerikanischen. Persepolis" entstand zuerst als Grapic Novel und von dort war es nur ein kleiner Sprung zum Zeichentrickfilm.
Huhn mit Pflaumen" entstammt ebenfalls dem Malstift von Satrapi, doch dieses Mal wurde die Verfilmung als live-action angedacht.

Abermals behandelt Satrapi (iranische) Identität, Familie und die Liebe natürlich. Hört sich abgegriffen an - ist es auch, aber auf eine gute Art und Weise.

Der Film wird mittels Flashback erzählt (*kotz würg*, doch abermals ist es die starke Hand Satrapis und Paronnauds die uns über diese plumpe Narrative hinwegblicken lässt), und schon anfangs wird, ganz in American Beauty" Manier festgehalten, dass Nasser-Ali sterben wird.

Nasser-Ali ist Geiger, ein internationaler Star sogar, der seine Geige (und noch viel mehr) verloren hat und mit einer Frau verheiratet ist, die ihm unentwegt auf die Nerven geht. Sie liebt ihn zwar abgöttisch, doch diese Liebe ist einseitig.

Den Plot des Films zu erklären ohne die großen Twists zu verraten, ist durch die Erzählweise in Flashbacks äußerst schwierig, und so werde ich es an dieser Stelle dabei belassen.

Noch ein paar Worte zur Natur der Flashbacks vielleicht. Nasser-Ali liegt in seinem Bett und wartet auf den Tod (er hat mit dem Leben abgeschlossen) und es suchen ihn immer wieder Erinnerungen? Fieberträume? Halluzinationen? heim. Dies lässt die Erzählweise sogleich ein bisschen weniger generisch aussehen, zumal sich die Sequenzen wunderbar ins Gesamtkonzept einfügen.

Mathieu Amalric verkörpert Nasser-Ali. Amalric ist ein Schauspieler, den ich immer mehr schätze, desto öfter ich ihn sehe. Die Rolle erinnert entfernt an den bewegungsunfähigen Krüppel, den er in Schmetterling und Taucherglocke" verkörperte, auch wenn beide Filme aus ganz unterschiedlichen Gründen auf die Tränendrüse drücken.

Nasser-Ali ist nicht körperlich beeinträchtigt, und doch ist sein ganzes Leben von Bitterkeit, schlechten Entscheidungen und Abweisung durchzogen. Langsam beginnen wir zu verstehen warum er unbedingt sterben will. Meiner Natur nach, habe ich meistens kein Verständnis für Filmcharaktere, die den Freitod wählen, doch Nasser-Alis Leben trieb sogar mir Tränen in die Augen.

Der Film ist auch komplett auf Verklärung und Romantisierung getrimmt. Schmuddeliges Licht, aufwendige Szenenbilder und Kostüme und Geigenmusik wohin man blickt. Ein toller Film, melancholisch und absolut Date Night-geeignet.